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Backup-Strategie
Zweck
Dieses Dokument definiert eine praxisnahe und auditierbare Backup-Strategie für Produktionsdaten und zugehörige Systeme. Das Ziel ist, die Geschäftskontinuität und eine kontrollierte Wiederherstellung nach Benutzerfehlern, Datenkorruption, Infrastrukturfehlern und Sicherheitsvorfällen sicherzustellen.
Aktueller Stand
- Dateien werden in IONOS S3 gespeichert.
- Datenbank-Backups werden in IONOS S3 gespeichert.
Die providerseitige Redundanz bei IONOS schützt gegen lokale Hardwareausfälle, ist jedoch für sich allein keine vollständige Backup-Strategie. Sie adressiert versehentliches Löschen, böswillige Änderungen, ransomware-ähnliche Verschlüsselung oder kompromittierte Zugangsdaten nicht ausreichend.
Zielprinzip: 3-2-1
Das Zielmodell folgt der 3-2-1-Regel:
- 3 Kopien der Daten (1 primäre + 2 Backup-Kopien)
- 2 unterschiedliche Speichertypen oder Plattformen
- 1 Kopie extern und vom primären Betriebsumfeld isoliert
Geltungsbereich
Die Backup-Strategie gilt für:
- Objekt-/Dateidaten (Anwendungs-Uploads, generierte Dateien, Exporte)
- Datenbanken (Voll- und, falls unterstützt, Point-in-Time-fähige Backups)
- Konfiguration und Metadaten (ohne Klartext-Secret-Werte)
Wiederherstellungsziele
Pro Workload müssen explizite Ziele definiert und gepflegt werden:
RPO(Recovery Point Objective): maximal akzeptables DatenverlustfensterRTO(Recovery Time Objective): maximal akzeptable Wiederherstellungsdauer
Empfohlene Basiswerte, bis systemspezifische Werte finalisiert sind:
- Kritische Systeme:
RPO <= 1h,RTO <= 4h - Wichtige Systeme:
RPO <= 24h,RTO <= 24h - Systeme mit niedriger Kritikalität:
RPO <= 24h,RTO <= 72h
Zielarchitektur
1. Primärer Betriebsspeicher
- IONOS S3 (aktive Produktionsdaten)
2. Sekundärer unveränderlicher Backup-Speicher
- Unabhängiger S3-kompatibler Provider mit:
- Object Lock (WORM / Unveränderlichkeit)
- Bucket-Versionierung
- Separaten Zugangsdaten und restriktiven Zugriffspolicys
Mögliche Provider:
- Hetzner Object Storage (unterstützt Versionierung und Object Lock, pro Bucket/Policy verifizieren)
- STACKIT Object Storage (Object Lock und Versionierung vor Einsatz verifizieren)
3. Tertiäre Offline-/Lokalkopie
- Lokaler Speicher (z. B. NAS) mit:
- Snapshot-Unterstützung
- Eingeschränktem Netzwerkzugriff
- Dedizierten Backup-Zugangsdaten
- Optionalem periodischem Offline-Export auf externe Medien für Ransomware-Resilienz
Aufbewahrungsrichtlinie
Mindest-Basisaufbewahrung (an Compliance- und Kostenvorgaben anpassen):
- Tägliche Backups: 30 Tage
- Wöchentliche Backups: 12 Wochen
- Monatliche Backups: 12 Monate
- Jährliche Archiv-Backups: 3-7 Jahre (gemäß rechtlicher/compliance-relevanter Anforderungen)
Richtlinie zur Unveränderlichkeit:
- Object Lock für kritische Backup-Sätze aktivieren
- Aufbewahrungsfenster so wählen, dass auch spät erkannte Vorfälle abgedeckt sind
Sicherheitskontrollen
- Backups bei Übertragung (TLS) und im Ruhezustand verschlüsseln (Provider- oder kundenseitig verwaltete Schlüssel).
- Dedizierte Backup-Service-Accounts verwenden, nie mit Runtime-Workloads teilen.
- Least-Privilege-Prinzip erzwingen: wenn möglich nur Schreibzugriff für Backup-Jobs, Leserechte nur für Restore-Operatoren.
- Identitätsdomänen zwischen primären und sekundären Providern trennen.
- Löschen von Backups durch Mehrpersonenfreigabe absichern, sofern unterstützt.
- Backup-Zugangsdaten regelmäßig und nach Vorfällen rotieren.
Backup-Betrieb
Zeitplanung
- Datenbanken:
- Tägliches Vollbackup + häufige inkrementelle/Log-Backups (gemäß RPO)
- Regelmäßige Restore-Konsistenzprüfungen
- Objekt-/Dateidaten:
- Häufige inkrementelle Synchronisation
- Täglicher Konsistenz-Snapshot
Verifikation
Backups sind nur valide, wenn sie wiederhergestellt werden können. Umsetzen:
- Automatisches Monitoring des Backup-Job-Status
- Prüfsummen-/Integritätsverifikation
- Geplante Restore-Tests in isolierten Umgebungen
Restore-Tests
Mindest-Testrhythmus für Wiederherstellungen:
- Monatlich: Stichproben-Restore von Dateien und einer nicht-kritischen Datenbank
- Quartalsweise: Vollständiger Restore-Drill eines kritischen Services
- Nach größeren Architekturänderungen: anlassbezogene Restore-Validierung
Pro Test dokumentieren:
- Zeitstempel
- Wiederhergestellter Datensatz
- Gemessenes RTO/RPO
- Probleme und Folgemaßnahmen
Recovery-Prozess bei Vorfällen
Im Recovery-Fall:
- Vorfallstyp klassifizieren (Löschung, Korruption, Kompromittierung, Infrastrukturausfall).
- Letzten bekannten konsistenten Backup-Satz identifizieren.
- Bei Verdacht auf Kompromittierung in isolierter Umgebung wiederherstellen.
- Integrität und Anwendungsfunktion validieren.
- Wiederhergestellten Zustand über den freigegebenen Change-Prozess in Produktion überführen.
- Zeitablauf, Ursache und Korrekturmaßnahmen dokumentieren.
Rollen und Verantwortlichkeiten
- Platform/Operations:
- Backup-Jobs, Speicherpolicys und Monitoring betreiben
- Security:
- Zugriffsmodell, Unveränderlichkeitseinstellungen und Credential-Rotation freigeben
- Service Owner:
- RPO/RTO definieren und funktionale Restore-Ergebnisse validieren
- Management:
- Trade-offs zwischen Aufbewahrung, Kosten und Risiko freigeben
Umsetzungs-Roadmap
- RPO/RTO pro System finalisieren und Daten nach Kritikalität klassifizieren.
- Sekundären S3-Provider mit Object Lock + Versionierung auswählen und bereitstellen.
- Dedizierte Backup-Identitäten und IAM-Einschränkungen einführen.
- Backup-Pipelines für Datenbanken und Objektdaten konfigurieren.
- Tertiären lokalen/offline Kopierprozess ergänzen.
- Monitoring, Alerting und Reporting für Backup-Jobs implementieren.
- Ersten vollständigen Restore-Drill durchführen und Runbook-Ergebnisse dokumentieren.
Zusammenfassung aktueller Lücken
- Es besteht aktuell eine Single-Provider-Abhängigkeit.
- Unveränderlichkeit und providerübergreifende Isolation sind noch nicht vollständig erzwungen.
- Restore-Tests und messbare Recovery-KPIs sind noch nicht formal dokumentiert.
Abnahmekriterien
Diese Strategie gilt als umgesetzt, wenn:
- Für alle kritischen Daten im Geltungsbereich mindestens drei unabhängige Kopien existieren.
- Eine Backup-Kopie unveränderlich und extern bei einem separaten Provider liegt.
- Restore-Tests planmäßig laufen und vereinbarte RPO/RTO-Ziele erfüllen.
- Backup-Monitoring und Incident-Runbooks aktiv sind und regelmäßig überprüft werden.